Nach Gründung unseres Orgelbauverein St. Paulus e.V. am 17.9.1997 stellten sich trotz großer Motivation durch Prof. Wolfgang Seifen bald ernüchternde Gefühle ein: Die alte Orgel verfiel mehr und mehr, da sie aber noch eingeschränkt spielbar war hielt sich die Spendenbereitschaft für eine neue Orgel in überschaubaren Grenzen.
Im Frühjahr 2002 erfuhr Prof. Dr. Günther Claas sowohl von der durch Schließung bedrohten Kirche seiner Heimatgemeinde, als auch von der misslichen Orgelsituation unserer St. Paulus - Kirche. Mit seinem Freund und Rechtsanwalt Heinz Bünnigmann sowie Klemens Fölling als musikalischem Berater entwickelten Prof. Günther Claas sowie sein Sohn Benedikt, der als namhafter Klavichordbauer nicht nur Begeisterung sondern auch viele Ideen in das Projekt einbrachte, ein wohl einzigartiges Konzept: Durch die Stiftung einer großen und bedeutenden Orgel sollte nicht nur ein einzigartiges Kulturgut für die kath. Pfarrgemeinde St. Paulus, sondern für die gesamte Region entstehen. Das Instrument würde in der Lage sein, Gedanken zur Schließung der Kirche kraftvoll zu zerstreuen.
In enger Zusammenarbeit mit dem Orgelsachverständigen Karsten Storck aus Wuppertal, konnte die Ausschreibung eines Orgelneubaues zügig vorangetrieben werden. Einer sinnvollen Kontinuität folgend, konnte Karsten Storck kurz darauf vom Auftraggebenden Orgelbauverein als Fachberater gewonnen werden.

Besuch bei Muhleisen
Nach Genehmigung des Orgelprojektes durch das bischöfliche Generalvikariat am 25.7.2002 haben wir den Auftrag nur gut zwei Monate nach Aufnahme der ersten Gespräche mit Prof. G. Claas an den berühmten Orgelbauer Muhleisen aus Strasbourg erteilen können.
Ein wenig müde von diesem ernormen Tempo dachten wir, es läuft nun ruhig weiter. Wir wunderten uns täglich aufs Neue, wie viele Fragen zu besprechen waren; mit was für Details wir uns befassen durften (zugegeben, manchmal auch: mussten).
Während wir in großer Vorfreude die äußere Gestaltung der Orgel berieten, stellten sich - wie so oft bei Orgelbauten - lautstark die ersten kritischen Töne ein. Leider ist das Herz mancher Menschen einfach zu klein für eine große Orgel... Unbeirrt und in stets sich vergrößernder Vorfreude zeigten uns die monatlich eintreffenden Bilder aus Strasbourg große Fortschritte.
Ein Eckstein in der Orgelentstehung war die Berufung von Winfried Klasmann zum Kirchenmusiker. Für alle Orgelplanenden war es essentiell wichtig das die Kirchenmusikerstelle an der großen Orgel adäquat besetzt würde. Winfried trat seinen Dienst am 1.10.2003 an. Nun waren die wichtigsten Probleme gelöst - dachten wir.
Im November 2003 wurde der Intonateur unserer Orgel, André Schaerer erneut aktiv zum Thema Kirchenakustik. Sein größter Wunsch war, diese besondere Orgel nicht mit einer schallschluckenden Decke intonieren zu müssen.
Da die Decke 11,42 Meter hoch ist, schieden Gedanken an Eigenleistung schon im Vorfeld aus. Was tun? Es fiel uns nicht leicht, aber wir besprachen das Thema mit Prof. Dr. h. c. G. Claas, dessen Weitsicht (oft auch Nachsicht) uns wieder einmal verblüffte: Innerhalb kürzester Zeit wurden die Vorraussetzungen für den Umbau der Decke geschaffen. Die Decke wurde professionell durch die Harsewinkeler Firma Benno Stroer bearbeitet, aber es gab auch Eigenleistungen die uns erhebliche Kosteneinsparungen bereiteten: Julius Petri rief seine Freunde zusammen und betreute über Wochen hinweg nahezu täglich die Arbeiten in der Kirche, denn zum Erreichen der Decke brauchten die Hubsteiger viel Platz. So wurden wochenlang Bänke geschraubt. Die Kirchenbesucher ertrugen es geduldig. Seit Januar 2004 sieht nicht nur alles besser aus - es klingt auch schöner.
Während die Akustik verbessert wurde, entfernte ein Spezialunternehmen sorgfältig unsere alte Orgel. Die noch verwertbaren Einzelteile sollen in Polen zum Einsatz kommen. Bauunternehmer Günter Gerhard übernahm Mitte Januar 2004 die Bauleitung und sorgte zuverlässig für die Bereitung des Stellplatzes unserer neuen Orgel.
Am 16. Februar 2004 war es endlich so weit: Die Orgel kommt!

Das Muhleisen-Team beim Aufbau
Der erste LKW mit Gehäuse- und technischen Teilen erreichte die St. Paulus Kirche. Mit vereinten Kräften, 8 Handwerker der Firma Muhleisen waren mitgereist, wurden die ersten äußeren Teile montiert und der Rest in der Kirche zwischengelagert. Der äußere Aufbau ging schnell voran, so dass sich dem Beobachter mehr und mehr der optische Eindruck des neuen Orgelwerkes bot. In der Gemeinde mehrten sich ob des Anblickes des nun sichtbaren Instrumentes die positiven Stimmen. Man habe ja nun ein "Schmuckstück" in der Kirche dazugewonnen. So wurden auch die Unannehmlichkeiten eines vollgepackten Kirchenraumes, den staubfrei zu halten nahezu unmöglich war, gerne in Kauf genommen.

Zwei Wochen nach dem Beginn des Aufbaus galt es, den nächsten LKW zu entladen. Der Großteil der Pfeifen wurde geliefert und musste ebenfalls in der Kirche zwischengelagert werden. Nachdem die Prinzipalpfeifen eingesetzt worden waren, sah die Orgel fertig aus. Ab nun hieß es Geduld bewahren bis die Orgel dann auch endlich richtig erklingen würde: Die Intonation würde noch einige Monate in Anspruch nehmen.
Unter der Leitung des renommierten Intonateurs André Schaerer wurden die einzelnen Pfeifen (2600!) in minutiöser Kleinarbeit an den Raum angepasst. Dabei werden verschiedenste Klangparameter, wie Ansprache der Pfeife, Tragfähigkeit, Lautstärke, Grad der Obertönigkeit usw. festgelegt und die Pfeife auf die richtige Tonhöhe gestimmt. Trotz ihrer großen Kompetenz und jahrelangen Erfahrung war den Intonateuren auch immer wieder die persönliche Meinung des Kirchenmusikers wichtig und man hatte trotz des engen Zeitplanes auch dafür jederzeit ein offenes Ohr.

André Schaerer
Schon sehr schnell stellte sich heraus, dass sich die Geduld und Präzision bei der Arbeit auszahlen würde. Der Klangeindruck der ersten fertigen Pfeifen ließ Großes erahnen und steigerte die Vorfreude auf den Gesamtklang immens. Mit der Fertigstellung eines jeden neuen Registers wuchs die Begeisterung, und es stellte sich immer mehr heraus, dass es den Intonateuren trotz der schwierigen akustischen Verhältnisse unseres Kirchenraumes gelingen würde, ein Orgelwerk von einzigartiger Klangschönheit zu schaffen.
Ein besonderer Dank gebührt dem Stifter der Orgel, Herrn Prof. Dr. h.c. Günther Claas, ohne dessen großzügige Spende es wohl kaum gelungen wäre, eine neue Orgel, geschweige denn eine dieser Größe und Qualität, anzuschaffen. Desweiteren möchte ich mich bei den Mitgliedern des Orgelbauvereins mit ihrem 1. Vorsitzenden Heinrich Bünnigmann, insbesondere bei Klemens Fölling, der mir in jeder freien Minute bei der Betreuung des Projekts und organisatorischen Aufgaben zur Seite stand, und bei allen Gemeindemitgliedern für ihren Zuspruch und ihre Nachsicht während der Aufbauarbeiten bedanken.
Anerkennung und Dank möchte ich nicht zuletzt auch allen Mitarbeitern und Inhabern der Orgelbaufirma Muhleisen für ihren engagierten Einsatz, oft bis spät abends und auch am Wochenende, aussprechen, ohne den es nicht gelungen wäre, den Weihetermin am 12.9.2004 einzuhalten.
(Autoren: Klemens Fölling und Winfried Klasmann)
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